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Montag | 29. Oktober 2018 | 19:27

Stellungnahme zu den Vorkommnissen im Rahmen des Bundesligaspiels Borussia Dortmund gegen Hertha BSC Berlin am 27.10.2018

 

Vor dem Spiel und zum Einlauf der Mannschaften wurden im Gästeblock mehrere Fahnen geschwenkt. In der ersten Reihe des Blocks wurde außerdem ein großes Banner zum fünfzehnjährigen Bestehen einer Berliner Fangruppe vertikal hochgehalten. Das Banner wurde vorher offiziell beim gastgebenden Verein Borussia Dortmund angemeldet und durch diesen genehmigt. Weiter wurden massiv pyrotechnische Gegenstände in Form von sogenannten „bengalischen Lichtern“, „Rauchtöpfen“ und „Blinkern“ abgebrannt. 

Festzuhalten ist an dieser Stelle, dass das Abbrennen solcher Pyrotechnik in deutschen Stadien verboten ist. Wenn dabei Menschen – insbesondere unbeteiligte Dritte – verletzt werden, ist dies aus unserer Sicht unverantwortlich, nicht zu tolerieren und nicht hinnehmbar. Es ist in diesem Zusammenhang auch irrelevant, ob es sich beim Abbrennen dieser Materialien um eine Straftat oder lediglich um eine Ordnungswidrigkeit handelt. 
Nach Beendigung der Choreografie wurde das Banner vor dem Gästeblock abgelegt und blieb dort auch zunächst liegen. In den ersten Minuten des Spiels wurde weiter vereinzelt Pyrotechnik im Gästeblock gezündet. 

Vorgehen und Verhalten der Polizei

Normalerweise versucht die Polizei bei derartigen Vorfällen, im Nachgang mit Hilfe von angefertigten Videoaufzeichnungen die Täter zu identifizieren und strafrechtlich zu verfolgen. In Dortmund steht dafür modernste (Video-)Technik zur Verfügung. Neben der Verfolgung durch die Polizei sanktioniert Borussia Dortmund ein solches Verhalten außerdem mit Einschränkungen von Fanmaterialien beim nächsten Gastspiel in Dortmund. Darüber hinaus folgen Verbandsstrafen des Deutschen Fußball-Bundes. 
In diesem Fall entschied sich die Polizei allerdings für eine aktive Maßnahme. Ziel war es offenbar, das vor dem Gästeblock abgelegte Banner zu entfernen.

Bedeutung von Bannern und Fahnen – mangelhafte Kommunikation

Banner und Fahnen haben bei Fußballfans eine elementare Bedeutung. Ein Verlust selbiger führt in der Regel sogar zur Auflösung ganzer Fangruppen. Allen erfahrenen und langjährig im Fußballkontext handelnden Personen ist dies bewusst. Daher mussten die Entscheider davon ausgehen, dass ihre Maßnahme zu einer Eskalation im Fanblock führen würde. 
Im Rahmen des Einsatzes der Polizei fand keine Kommunikation mit der Fanbetreuung in Form der Fanbeauftragten und den Fanprojekten beider Vereine statt.
Fraglich ist auch, welche Relevanz dem Banner von der Polizei zum Zeitpunkt ihres Einschreitens noch zugesprochen wurde. Denn es lag eine Viertelstunde ungenutzt vor dem Gästeblock. Den Auswärtsfans war es aufgrund der baulichen Gegebenheiten im Stadion ohnehin nicht mehr zugänglich. Die von der Polizei geäußerte Intention, mit der Entfernung des Banners weitere Straftaten vorbeugen zu wollen, erschließt sich uns daher nicht.

Bewertung der Folgen

Die aus dem Eingreifen der Polizei resultierenden gewalttätigen Ausschreitungen und massiven Sachbeschädigungen der Hertha-Fans verurteilen wir aufs Schärfste. Unserer Meinung nach hätte aber eine auf Deeskalation setzende Polizei-Einsatzstrategie eine so brisante Situation gar nicht erst entstehen lassen.
Wir teilen die Ansicht der Polizei, dass Stadien keine rechtsfreien Räume sind und sein dürfen, sehen im konkreten Fall die Verhältnismäßigkeit allerdings nicht gewahrt.

 

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